Manu‘s Vierzigster (05/2004)

Jung sein oder alt werden ist nur Gerede,

das einer rechenbaren Zeit geschuldet.

Doch die Schönheit trägt auf diesem Wege,

wer herzhaft lachend das Gerede duldet.

Was sind schon vierzig Jahre,

gemessen an den vielen Stunden,

wo man schlicht das einzig wahre

Leben mit der Lust verbunden.

Manu‘s Dreißigster (05/1994)

Auch wenn ein Teil 'nem anderen gleicht*,

kann's weder noch dasselbe sein.

Das eine saftig Früchte reicht;

das andere trägt ein Licht zum Schein.

Ein Lichtschein von nicht ewig' Dauer

und selbst die Früchte geh'n dahin.

Bei allem steht das Ende Lauer,

was birgt das Leben für einen Sinn?

Und was wäre, wenn das Alter bliebe

immer gleich von Jahr zu Jahr.

Vielleicht lägest Du heut' noch in der Wiege

und der Feier Anlass wär' nicht wahr.

* wir schenkten ihr vier Jahre zuvor eine

 Früchteschale aus Zinn und an diesem

 30igsten einen passenden Kerzenhalter

Dreilinden (11/1993)

Wenn ich heimwärts mich bewege

und mich lässig in den Fahrsitz lege,

passiert Missglücktes ohnegleichen

mich, dem ist nicht auszuweichen. Ein Ort zum Tanken soll das sein,

doch das Moderne trügt vom Schein.

Eher gleicht es einer Supernova

in rot und gelb, was fehlt ist Rosa.

Ein wenig Blau schafft den Kontrast,

ein Farbenspiel, dem Auge Last.

Im Hintergrund es baumgrün schimmert

und an Vasarely's Eridan erinnert.

Der Eindruck, baulich, ein Skandal,

was wohl dem Schöpfer schien egal,

als er das Unwerk dort kreierte,

schier den Bauausschuss regierte,

welcher glaubhaft trunkend hat entschieden,

die Fiktion dann auch zu schmieden.

Wie dem auch sei man hat gebaut,

die Umwelt, wenn gleich mit versaut.

Gar ohne Rücksicht auf das Klagen der Natur; sie hat's ertragen.

Und selbst der Mensch muss bitter leiden,

lässt er des Weges Blicke weiden,

die furchtbar satt die Ansicht wagen,

dem Erbrechen nah vor Unbehagen.

Den Leichtsinn kürt ganz ohne Gnade,

dass ich mich mit der Pflicht belade

massig' Eindruck zu erfassen,

um einen Spruch darauf zu lassen.

Bis mein Beimann stöhnt mit Recht,

es sei mein Fahrstil äußerst schlecht.

Verkrampft will ich am Lenkrad reißen

und wütend in dasselbe beißen.

Doch die Vernunft hat mich bewahrt.

Nun, ... wenigstens auf dieser Fahrt.

Zum Einjährigen von ich und Du (08/1993)

Ließen  wir auf Zypern für jeden schönen Augenblick in dem Jahr unseres Verliebtseins

auch nur ein Sternschnüppchen von des sternenklaren Himmel fallen,

hätten alle Verliebten nach uns keine Gelegenheit,

des Nachts einen Blick in die Vergangenheit zu werfen.

Ließe  ich Dir einen Strauß aus Blumen binden,

deren einzelne Stängel die Tage zählen,

an denen ich keinen Gedanken an Dich verloren habe,

würde es der Kaiserin neuer Blumenstrauß werden.*

Ließest  Du Dir Deine Haare kürzen oder irgendwas

und haben meine gottgeleimten Augen keinen Reiz gezeigt,

dann verdamme mich,

wenn ich fälschlich diesen Tag heut' rühme.

(*angelehnt an "Des Kaisers neue Kleider")

Tribut der Liebe (07/1993)

Alles was schont

nicht sonderlich lohnt

neben dem Einerlei

einer Liebelei. Trotz Sonne sich zeigt

trägt wer anders das Licht

gerade darum:

Schone Dich nicht.

Die Fahrt zur Oma* (1977)

Ich fahr zur Oma zu Besuch

und steig in einen langen Zug.

Nun sitz ich da und warte dann,

bis nun kommt ein großer Mann mit 'ner Brille und 'nem Hut,

hat wohl das Wort in diesem Zug.

Schaut gierig nach der Fahrkarte:

"Ist wohl von gestern, na warte!"

Dann an der nächsten Bahnstation

lud er mich ab; na , Dankeschön ...

* Teil eines Gedichtes, das ich mir als

 vielleicht 9jähriger ausgedachte.

 Diese Zeilen hatten sich irgendwie

 dauerhaft in meine magere Hirnsubstanz   eingebrannt, so dass ich sie heute aus 

 der Erinnerung aufgeschrieben habe.